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2007 | Fotografie, Editorial, Plakat


Nur wenige Wochen bevor das BOA Kulturzentrum endgültig geschlossen wurde, durften wir dort eine ganze Woche lang fotografieren. Anschliessend folgte ein Warm-Up im Bereich Plakatgestaltung und unser erstes Layout-Projekt: eine 8-seitige Zeitung.

Dozenten: Martin Woodtli, Petra Wunderlich




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Text in der Zeitung (Redaktion: verschiedene Zeitungsartikel, Michèle Gnos)

Von der Schlauchfabrik zum Kulturzentrum

Wo früher einmal ein Fabrikationsbetrieb für elektrische Heizungen, Rohrleitungselemente und Schläuche war, ist heute ein Kulturzentrum. Zwischen 1989 und 1995 wurde die Boa am Geissensteinring 41 in Luzern umgebaut und erhielt einen Anbau, geplant von den Architekten Rothenfluh und Partner. Beabsichtigt war, dass das Gebäude unterschiedlich von Kleingewerbe und Kulturschaffenden genutzt werden kann. Es waren Theater, Tanz und Video-Produktionen nichtkommerzieller Art vorgesehen, sowie Lesungen, Konzerte und gesellschaftliche Anlässe. Es sollte Offenheit gegenüber allen Kultursparten, Gruppierungen und VeranstalterInnen gelten. Ab 1991 konnte die Boa-Liegenschaft wieder genutzt werden. Seit 1995 betreibt sie ein alternatives Kulturzentrum, in dem an durchschnittlich vier Abenden / Nächten pro Woche vor allem Konzerte und Disco-Betrieb, gelegentlich auch Filmvorführungen und Vorträge stattfinden, alles ergänzt durch einen Bar-Betrieb. So wurde die Boa ein wichtiger Bestandteil der Luzerner Kulturszene.

Nur vier Jahre nach der Eröffnung der Boa wurde das Nachbargrundstück von einer Gewerbe- in eine Wohn- und Geschäftszone umgezont. Wie sich zeigen sollte, ein unglücklicher Umzonungsentscheid, der allerdings nicht der Boa-Betreiberschaft angelastet werden kann, sondern vielmehr dem Grossen und Kleinen Stadtrat.

Seitdem die hinter der Boa entstandenen Eigentumswohnungen bezogen sind, gibt es von den Anwohnern heftigen Protest gegen die Lärmemissionen und Belästigungen durch die Boa-Besucher. Mit dem seit einigen Jahren zunehmend veränderten Ausgehverhalten der Jugendlichen hat sich der Lärm noch mehr verstärkt, weil vorwiegend elektronisch verstärkte Musik gespielt wird und die Veranstaltungen bis spät in die Nacht dauern. Entsprechend haben sich auch die Beschwerden der Anwohner wegen nächtlicher Ruhestörungen ab dem Jahre 2002 gehäuft. Die Boa musste deshalb immer mehr improvisieren. So tauschten z.B. am 8. Mai 2002 die Boa und der Sedel kurzfristig aufgrund der Lärmemissionen ihre Veranstaltungen. Grund: Die Boa-Nachbarn duldeten eine Technoparty nicht. Hintergrund dieses Entscheids war eine Vereinbarung, welche die Boa-Betreiber mit der Stadt und der Nachbarschaft im November 2001 getroffen hatten. Danach durfte nur noch einmal pro Monat – und zwar an einem Freitag oder Samstag – ein Musikanlass durchgeführt werden, der lauter als 90 Dezibel ist. Für alle anderen Konzerte und Partys muss die Boa-Anlage benutzt werden, die einen so genannten Limiter eingebaut hat, welcher den Soundpegel automatisch unter 90 Dezibel hält.

Während der Silvesternacht 2003 zitterten wegen den überlauten Bässen im Quartier Fenster und Betten. Auch an mehreren Wochenenden zuvor rüttelte das Gegröle von Boa-Gästen jeweils am Freitag- und Samstagabend zwischen 21 und ca. 4 Uhr die Anwohner aus dem Schlaf. Am lautesten war es jeweils bei Veranstaltungsschluss.

Der Stadtrat plante eine lärmtechnische und bauliche Sanierung mit einem Budget von 2,05 Mio. Franken. Der Schallschutz hätte verbessert und der Eingang umplatziert werden sollen. Einige Anwohner ergriffen deshalb mit Unterstützung der politischen Gruppierung CHance 21 das Referendum. Ihr Ziel war, den Boa-Betrieb definitiv aus Wohnzonen auszulagern. Das Sanierungsprojekt scheiterte darauf an der Urne. Das Ende der Boa war somit schon fast beschlossene Sache.

Eine ersatzlose Schliessung der Boa akzeptierte die IKU Boa aber nicht. Um das "Boa-Problem" endlich zu lösen, suchte der Stadtrat nach einem neuen Standort für den Kulturbetrieb. Sein Vorschlag: "Dort, wo heute Tiere geschlachtet werden, soll es ab 2008 Theater und Musik geben." Der Luzerner Stadtrat stellte das Projekt "Kulturwerkplatz Luzern-Süd" den Medien vor: Das neue Kulturzentrum soll ein Probehaus für das Luzerner Theater und der Musikschule sein und als Ersatz für die Boa dienen. So würden gleich mehrere Probleme auf einmal gelöst. Eröffnet werden soll der Kulturwerkplatz am 1. September 2008.

Die Räume der Boa werden nach der Schliessung des Kulturzentrums von der Post als Ersatz für das zukünftige Universitätsgebäude am Bahnhof genutzt. Schon am 22. Dezember 2006 hätte die Boa den Kulturbetrieb einstellen müssen. Am 1. Juli 2007 hätte mit dem Umbau der Boa-Liegenschaft begonnen werden sollen. Verzögerungen bei den Vorbereitungsarbeiten haben aber dazu geführt, dass dieser Termin nicht eingehalten werden konnte. Nur vier Tage vor dem allerletzten Konzert wurde die IKU Boa von den städtischen Behörden gebeten, den Betrieb doch noch weiterzuführen. Auch um Hausbesetzungen zu vermeiden, wird der Kulturbetrieb nun bis zum 4. November 2007 verlängert. Bleibt abzuwarten, ob es noch weitere Verlängerungen gibt. Die IKU Boa ist jedenfalls nicht daran interessiert ihren Betrieb im Schlachthaus, welches zu weit vom Zentrum weg sei, weiterzuführen und hält am alten Standort fest.



Plakat

Technik: analog mit Kopieren, Kleben, Schneiden, Schichten



© by Michèle Gnos